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Umsätze aus Autorenlesungen können dem ermäßigten Steuersatz unterliegen, wenn es sich um eine künstlerische Darbietung handelt

Mitteilung vom 15.02.2013

Mit Urteil vom 08.08.2012 (Az. 12 K 1967/11) hat das FG Köln entschieden, dass Umsätze aus Autorenlesungen dem ermäßigten Umsatzsteuersatz gemäß § 12 Abs. 2 Nr. 7 UStG unterfallen.

Die Umsatzsteuerermäßigung nach § 12 Abs. 2 Nr. 7 a) UStG erfasst ihrem Wortlaut nach lediglich die Eintrittsberechtigung für Theater, Konzerte und Museen sowie die den Theatervorführungen und Konzerten vergleichbaren Darbietungen ausübender Künstler. Allerdings ist diese Vorschrift nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs in Hinblick auf die Kunstfreiheit weit zu interpretieren. Sie erfasst somit auch Darbietungen der Tanzkunst, Pantomime, Kleinkunst und Varieté sowie Puppenspiele und Eisrevuen.

Lesungen können deshalb ebenfalls der Umsatzsteuerermäßigung unterfallen. Das gilt jedenfalls dann, wenn es sich um Lesungen im Bereich der Kleinkunst handelt, die mit Theatervorführungen vergleichbar sind. Bei Lesungen aus anderen Genres wie z. B. wissenschaftlichen Lesungen kann hingegen der volle Umsatzsteuersatz Anwendung finden.

Es wurde allerdings bestritten, dass diese Vorführung auch auf literarische Autorenlesungen Anwendung finden kann. Zwar haben diese fraglos künstlerischen Charakter, ihnen fehlt aber das für eine Theateraufführung kennzeichnende Element der szenischen Darstellung eines Geschehens.

Wenn allerdings bei einer Dichterlesung – wie im vorliegenden Fall – der Vortragende durch Körperhaltung und –bewegung, Stimmodulation, Gestik und Mimik und spontane Dialoge mit dem Publikum ein kleinkunstähnliches Bühnengeschehen zur Darbietung bringt, genügt dies nach dem FG Köln für die Anwendbarkeit des § 12 Abs. 2 Nr. 7 UStG. Letztlich geht es hierbei um eine Tatsachenfrage. Rechtssicherheit kann im Einzelfall nur ein frühzeitiger Antrag auf verbindliche Feststellung beim Finanzamt bringen.

Die Revision zum Bundesfinanzhof wurde zugelassen.